Im Porträt:

Kai – der Herr der Saiten

Das sieht nach Handarbeit aus und ist es auch. Er zerrt an der Saite. Dass das Kraft kostet, spiegelt sich in seinem Gesicht: „Ja, hier geht´s um Spannung!“ Nein, nicht um Spannung auf, sondern jenseits des Spielfeldes.

Er und sein Utensil gehören zu einem Badminton – Turnier, wie der Schläger und seine Bespannung: Kai, der Herr der Saiten! „So 18 bis 20 Minuten brauche ich schon für einen Schläger“. Kai, vom Sportshop „Racketprofis“ betreut für Ausstatter Wilson den Servicestand der German Junior 2010, sorgt für Spielerwünsche aller Art, ob Schläger, Saiten, Bespannung oder Badminton – Klamotten. „12mal habe ich heute schon für Spieler in die Saiten greifen müssen, für Schweden, Isländer und Dänen!“

Badminton – Schläger sind eine Wissenschaft für sich und für Laien kaum durchschaubar. Kai amüsiert: „Schon richtig. Vor allen Dingen ist es eine Materialfrage. Da kommt heutzutage nur Carbon in Frage. Na ja, und dann die Saiten, also die Härte der Bespannung!“ Eine sehr individuelle Angelegenheit. Freizeitspieler bevorzugen 9, 10 kp Härte, während Profis knallhart spielen, 12 oder 13 kp. „Letztes Jahr kam ein Asiate zu mir“, erzählt Kai, der wollte 16 kp. Da bin ich ganz schön ins Schwitzen gekommen!“

Kai Simon und die Saiten, das ist eine längere Geschichte. Begonnen hatte sie in Kais Tenniszeiten. „Ich hatte den Ehrgeiz, meinen Schläger selbst zu bespannen. Und als das ganz gut funktionierte, kamen auch andere Spieler zu mir. So ging das los!“ Längst ist aus Kais Hobby eine Profession geworden, denn 2008 hatte er mit Bruder Jan den Sportshop Racketprofis, in der Berliner Bornholmerstraße, eröffnet. Eine Seite des Geschäftes sind nach wie vor die Saiten: „Wir haben letztes Jahr etwa 1500 Badminton-Schläger besaitet und runde 2000 Tennisschläger!“

Kai ist ein absoluter Könner seines Faches und hochsensibel für alle Finessen zu haben. „Zu mir kam schon ´mal ein Spieler, der wollte 14,2 kp. Habe ich ihm gemacht!“ Bei solcher Art Härte kann es auch kritisch werden, „da kann schon mal ein Schläger zu Bruch gehen, weil das Material nicht hält.“

Plötzlich Kundschaft, ein österreichischer Spieler, schwitzend vom eben beendeten Einzel. „Kannst Du mir schnell mal meinen Schläger beziehen, 13 kp, bitte?“ Kai kann und will.

Mancherlei hätte der Herr der Saiten noch über Badminton-Schläger erzählen können, über Saitenstärken und Griffstärken, über Saiten-Tod und Rücksprungkraft, über kopflastig und grifflastig, doch Spielerservice ist in diesen Tagen sein Job. Alles andere, und sei es ein Gespräch über die vielen Seiten der Badminton – Saite, kann deshalb nur Nebensache sein.


Text: Peter Gütte

Fotos: Volkmar Kehrberg

Layout: Stefanie Knecht

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