Was jeder mutmaßte und zu wissen meinte, unterstrich das Spielgeschehen auf den vier Viertelfinal – Courts der German Junior 2010: Die Dominanz und Ausnahmestellung der asiatischen Spieler. Aber diese Annahme sollte sich als trügerische Momentaufnahme entpuppen!
Zunächst musste Fabienne Deprez gegen die Koreanerin Run Zun aufs Feld. Entstand zunächst der Eindruck, 6:6 im 1. Satz, es würde sich hier ein hauchdünnes Match entwickeln, der wurde enttäuscht. Schnell machte die Koreanerin aus dem Gleichstand ein 11:6 und gewinnt schließlich 21:12. Stellte sich die Frage, ob Fabienne das Spiel im 2. noch herumreißen kann? Bei allem Mühen der deutschen Spielerin, die Koreanerin fand zumeist die besseren Antworten und gewinnt 21:10. Was ist so stark an der asiatischen Spielweise? „Nun, sie machen total wenig Fehler und spielen ein atemberaubende Grundtempo, trainieren ja auch doppelt so viel wie wir“, kommentiert Fabienne unmittelbar nach dem Spiel. „Und ich habe dann Fehler gemacht, verlor meine Konzentration und fühlte mich so müde. Ja, schade!“
Koreanisch
e Vormacht auch beim Doppel Jessicas Fletcher/Alyssa Lim, England, gegen So Young Park/Seung Chan Shin. Mit 21:11 und 21:16 ließen sie den Engländerinnen nicht die Spur einer Chance. „Sie machen einfach keine Fehler“, Fabienne kopfschüttelnd nach dem Match. „Und dann ihre Verteidigung, die ist kaum zu überwinden und auch im Angriff sind sie perfekt!“
Zu einem dänisch/deutschen Duell kam es beim Mixed: Astrup/Klaersen gegen Holzer/Herttrich. Die zeigen allerdings schon im 1. Satz Nervosität und geraten mit 11:3 schnell ins Hintertreffen. Beinahe fehlerfrei ziehen die Dänen ihr Spiel durch und machen permanent Druck: 21:12 und 21:11! Nach 20 Minuten war der
deutsche Traum vom Halbfinale ausgeträumt!
Nicht so für Isabel Herttrich. Sie hatte immerhin noch eine Chance im Doppel. Würde sie sie mit Partnerin Inken Wienefeld nutzen können und den Sprung ins Halbfinale doch noch packen? Es wird eine spannende Auseinandersetzung. Entscheiden die deutschen Damen den 1. Satz noch knapp mit 21:19 für sich, steigern sie sich im 2. und lösen mit phantastischen 21:13 das ersehnte Ticket ins Halbfinale.
Die sensationelle
Wende bahnte sich an, als es zwischen Chun Hei Lee/Ka Long Ng, Hong Kong China und Morton Brodbaek/Nikolai Overgaard aus Dänemark nach zwei Sätzen 1:1 stand. Werden Europäer Asiaten aus dem Rennen werfen, das war hier die große Frage. Und tatsächlich. Die Dänen hoben ab und spielten die weit gereisten Gäste im 3. Satz förmlich an die Wand. Viel bejubelt das 21:11 und große Freude bei den Nordländern.
Beinahe gleichzeitig eine ähnliche Überraschung auf Court 2. Da besiegen, in einem packenden Match, die Dänen Astrup/Fladberg die Koreaner Young Wong Ha/Min Ki Kim mit 21:14 und 21:19.
Die großen asiatischen Festspiele fanden also im Viertelfinale nicht statt. Überraschend hatten sich ein englisches und zwei dänische Herrendoppel ins Halbfinale gespielt, desgleichen im Mixed. Und komplett machten den europäischen Erfolg die dänischen Einzelspieler Victor Axelsen und Rasmus Fladberg und das deutsche Damendoppel. Die Frage aber: Werden sie sich auch Halbfinale durchsetzen können?
Z.B. der dänische Ausnahmespieler Victor Axelsen gegen Ha Young Woong/Korea. Mit einem sicheren 21:8 machte er schon im 1. Satz sehr deutlich, wer Herr im Hause ist. Und dabei blieb es. Mit seiner kolossalen Reichweite, mit einzigartigen Reflexen und explosiven Angriffsbällen entnervte er Ha Young Woong. Für Badminton – Fans ein echter Leckerbissen. 21:15, der erlösende Aufschrei und viel Beifall für Victor Axelsen. Die Frage: Wird auch Teamkollege Rasmus Fladberg, gegen den Koreaner Kang Ji Woon, ins Einzelfinale einziehen können? Nein, Satz 1 entscheidet der Koreaner mit 23:21 zu seinen Gunsten und Satz 2 mit 21:15. Korea im Finale!
Schön anzusehen auch das rein koreanische Damen – Einzel Halbfinale: Hey In Choi schlägt Ko Woon Park in zwei Sätzen 21:13 und 21:14.
Ebenfalls rein koreanisch das Damen – Doppel Halbfinale. Lange Ballwechsel, hohe Verteidigungskünste und knallige Angriffsbälle, – beide Teams demonstrierten lautstark die Hohe Schule dieser eleganten Sportart. Nach ausgeglichenem Spiel, 22:20 und 21:19, die Finalteilnahme für Chan Mi Kim und Eun Byul Ko.
Einen zwan
gsläufig dänischen Erfolg gab es im rein dänischen Mixed – Halbfinale Emil Holst/Ditte Strunge Larsen gegen Kim Astrup/Line Kjaersfeldt. In diesem hochklassigen 3-Satz-Match hatten Holst/Larsen schließlich das bessere Ende für sich und einen Platz im Finale.
Dann das mit Spannung erwartete Halbfinalmatch im Damen – Doppel: Die Koreanerinnen Hye In Choi/So Hee Lee gegen Isabel Herttrich/Inken Wienefeld. Unsere Damen im Endspiel, – was für ein kühner schöner Gedanke! Aber bereits der 1. Satz ließ diesen Gedanken vergessen. Wenngleich Isabel und Inken ein gutes Spiel ablieferten, 21:17 und 21:7, gegen die starken Koreanerinnen hatten sie keinerlei Chance auf Finalteilnahme.
Höhepunkt des Abends war in jedem Falle die Herren – Doppel Begegnung Brodbaek/Overgaard gegen die an „1“ gesetzten Koreaner Seung Il Choi/Ji Wook Kang. Während im 1. Satz, 21:17, die Dänen dominierten, drehten die Koreaner im 2. Durchgang auf und das Spiel um: Nach 17:21 nun das 21:11! Was wird der Dritte bringen? Keine europäische Überraschung mehr: 21:12, die Koreaner Seung Il Choi/Ji Wook Kang sind im Endspiel!
Viertel – und Halbfinals der German Junior 2010 sind gespielt. War es der erwartete ganz normaler Tag oder … „Nein für uns auf alle Fälle nicht, denn unser Damendoppel hat heute nicht nur mich begeistert, sondern auch die Berliner von den Stühlen gerissen“, so Bundestrainer Holger Hasse mit Blick auf die heutigen Spieltag. Und Dänemark? „Hat sich kolossal entwickelt und wir haben ja gesehen, wie sie bei den Koreanern gegenhalten können. Ja, und die Koreaner, die sind nun mal eine Nummer für sich, ausgestattet mit allen Badminton – Tugenden. Aber ich glaube, wir haben es heute erlebt, Europa hat den Abstand ein wenig verringert!“
Text: Peter Gütte
Fotos: Volkmar Kehrberg
Layout: Stefanie Knecht


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