Als die weit gereisten Gäste eintrafen, knisterte es in der Samariterhalle, lag spannende Erwartung in der Luft. Kein Wunder bei der Ausgangssituation: 1. BC Bonn/Beuel auf Platz 2, EBT gleich dahinter. Aber mehr noch! Bonn und die Berliner sind seit jeher Erzrivalen, kennen sich aus vielen Begegnungen. Rangierten die Bonner in der vorletzten Saison vor den Berlinern, so war es 2008/2009 umgekehrt. EBT wurde Vizemeister.
Nun also, an diesem 1. Advent 2009, erneutes Kräftemessen. Tatsache ist, beide wollen den Titel und so war dieser ersten Saisonberührung größte Bedeutung zuzumessen. “Das ist richtig. Heute? Nun, es könnte ein 4:4 werden”, tippt Roland Maywald, Mannschaftsleiter des BC Bonn/Beuel, “vielleicht aber auch eine Niederlage für mein Team. Unser Topspieler Anthony Clark musste nämlich gestern abreisen. Dadurch ist unser Doppel stark geschwächt, leider!” Ohne Zaudern Manfred Kehrberg, Teamchef von EBT: “4:4, zwei gleich starke Mannschaften. Bei den Damen leichte Vorteile für uns, bei den Herren die Bonner!” Und lächelnd zögernd, – “aber warten wir ab!”
Von verteilten Chancen…
konnte man beim Damendoppel Heather Olver/Birgit Overzier gegen die Berlinerinnen Nicole Grether und Juliane Schenk ausgehen. Und so stand es nach zwei Sätzen folgerichtig 1:1. Doch mutig unverkrampft, taktisch klug eingestellt, greifen die EBT-Damen im 3. Satz konsequent an und gewinnen sicher 21:14. Nicht so glücklich, zumindest in sportlicher Hinsicht, die Begegnung zwischen den Berlinern Wong Choong Hann/Michal Logosz und Ingo Kindervater/Ian Maywald. Verletzt muss Ingo Kindervater leider aufgeben!
Schnelles 2:0 also für EBT Berlin. Wird das 3. Doppel das 3:0 bringen?
In dieser Begegnung trafen die Berliner Tim Dettmann/Josche Zurwonne auf die starken Engländer Carl Baxter/Rajiv Ouseph. Man durfte gespannt sein! Zunächst glänzen Dettmann/Zurwonne mit schlagstarkem Angriffspiel. Doch leider können sie diese dominierende Spielweise nicht durchhalten und geben Satz 1 mit 19:21 ab. Im 2. Satz erinnern sich die Berliner ihrer Angriffslust und gleichen mit sicheren 21:13 aus. Atemberaubendes Badminton dann im 3. Satz. Die Badminton-Fans in der gut gefüllten Samariterhalle reißt es von den Sitzen. Keines der Teams kann zunächst entscheidende Vorteile für sich verbuchen und so fällt die Entscheidung erst in der Schlussphase: 21:19 für Baxter/Ouseph. Bonn verkürzt auf 1:2!
Im ersten Herreneinzel messen sich Wong Choong Hann von EBT und Marc Zwiebler. Da war Weltklasse-Badminton zu erwarten, mit leichten Vorteilen für den Bonner Star. Umso erstaunlicher das deutliche 21:12 für den Berliner im 1. Satz. Der 2. Satz dann hart umkämpft. Marc Zwiebler zieht alle Register seines Könnens, schreit seinen Frust lautstark heraus, doch vergebens. 21:19 für Wong Choong Hann und mithin 3:1 für EBT! Auf Feld 1 verliert zu diesem Zeitpunkt Juliane Schenk von EBT gegen die starke englische Meisterin Elisabeth Cann Satz 1 mit 15:21. “Vielleicht”, so Juliane nach dem Spiel, “war ich noch vom Doppel geschwächt. Ich wollte das Spiel schnell hinter mich bringen und bei diesem Druck ging mir dann irgendwie die Konzentration verloren. Ich kenne Elisabeth gut, sie ist eine phantastische Spielerin. Zumeist aber konnte ich sie schlagen!” Und so liegt Juliane Schenk im 2. Satz auch schnell 5:0 vorn. Doch Mitte des Spiels ändert sich das Bild und Cann gleicht 11:11 aus. Verbissen wird um jeden weiteren Punkt gekämpft. Schließlich aber setzt sich Juliane Schenk ab, gewinnt 21:16 und gleicht aus. “Im 2. habe ich mit viel höherem Kraftaufwand gespielt, konzentrierter, variantenreicher und eben mein Spiel gemacht, so muss es sein”, lacht Juliane Schenk und atmet tief durch. Das konnte sie auch, denn im 3. Satz ließ die Berlinerin der Engländerin nicht die Spur einer Chance und gewinnt klar 21:8. Die Samariterhalle tobt! Während dessen ist auch das 2. Herreneinzel beendet. Gegen den starken Rajiv Ouseph aus Bonn hatte Eetu Heino lediglich eine Außenseiterchance. So verliert er auch in zwei Sätzen. Dennoch sollten hier gerechterweise Spielstärke und facettenreiche Gegenwehr Eetu Heinos angemerkt werden!
4:2 – EBT auf Kurs “Sieg”?
Durchaus möglich, denn da waren ja nur noch das letzte Herreneinzel und das Mix auszuspielen. Als auf Feld 2 Carl Baxter den 1. Satz gegen Tim Dettmann gewinnt, steht es im 1. Satz zwischen Nicole Grether/Michal Logosz und Birgit Overzier/Marc Zwiebler 9:13. Aber das EBT – Mix holt auf … 16:20 … 17:20 … 18:20. Werden es die Berliner noch schaffen? 19:20 und absolute Stille in der Samariterhalle. Nein, Ball im Netz … 19:21! Die Enge dieser Begegnung versprach einen dramatischen “Zweiten”! Der geht bei Dettmann/Baxter zu diesem Zeitpunkt in die Schlussphase. 20:15 führt der Engländer und schießt sich mit einem Smash zum Sieg. Die Konsequenz: Nur noch 4:3 für die EBT. “Einzel ist einfach nicht meine Sache”, kommentiert Tim Dettmann anschließend seine Niederlage. “Das war nicht anders zu erwarten, ich bin nun ‘mal ein Doppel-Spieler!” Als Tim Dettmann diesen rückblickenden Eindruck seines Spiels vermittelt, dreht sich das Spielgeschehen im 2. Satz Mix. Führten die Berliner zunächst, gehen nun die Gäste mit 16:14 in Front und ziehen auf 19:14 davon. Das Aus für die Berliner? Nein, so einfach wollten sie es dem Gegner nicht machen und kämpfen sich auf 18:20 heran. Aber es reicht nicht: Niederlage im Mix und Ausgleich 4:4! “Wir haben nicht gut gespielt, uns zurückgezogen, das war taktisch nicht klug”, so Nicole Grether kopfschüttelnd. “Wir haben auch zu viel cross gespielt. Und natürlich muss man betonen, dass wir ganz starke Gegner hatten. Aber wir haben gekämpft!” Ähnlich sah es EBT – Teamchef Manfred Kehrberg, dessen Prognose 4:4 sich bewahrheitet hatte: “Die Mannschaft hat gut gekämpft. Bonn war der erwartet starke Gegner. Und besonders habe ich mich über die gut gefüllte Halle gefreut! Ich denke, wir konnten den Fans heute tolles Badminton bieten!”
Es bleibt spannend oben!
Wenngleich auch den Hauptstädtern der Sieg versagt blieb, so hievt sie das 4:4 zumindest ein Etage höher und weist den Spielern vom Rheinufer nunmehr Tabellenplatz 3 zu. An der Spitze keine Bewegung, Meister Bischmisheim bleibt ganz oben. Fazit: Nach wie vor ist im Badminton – Oberhaus alles offen und alle können hoffen!